Zusammenschluss von Akteuren der Freien Szene in Frankfurt (Oder)

Die Kultur in Frankfurt (Oder) wird nicht allein von den kulturellen Einrichtungen gemacht, die die Stadt selbst betreibt. Die Freie Szene besteht aus den nicht städtischen, aber in der Stadt aktiven Kulturvereinen und freischaffenden Künstlern. Die Freie Szene leistet einen entscheidenden Beitrag zu einer lebendigen und vielfältigen Kultur in unserer Stadt, die von Frankfurter Kulturschaffenden selbst gemacht wird. Leider wird das aus unserer Sicht von der Stadtverwaltung und den Stadtverordneten zu wenig wahrgenommen und gewürdigt.

Wieder einmal erwarten uns schwierige Gespräche und Verhandlungen beim Aushandeln der neuen Kulturentwicklungsplanung ab 2016, bei der uns voraussichtlich weitere schwere Einschnitte im Kulturbereich drohen. Der Aushandlungsprozess soll voraussichtlich im April beginnen.

Die „Freie Szene“ hat es dabei besonders schwer, denn an erster Stelle stehen in den Verhandlungen immer die städtischen Kultureinrichtungen mit ihren Etats. Dabei leisten gerade die Akteure der Freien Szene für ein Minimum an finanzieller Unterstützung durch die Stadt Großes. Hinzu kommt, dass es sich hierbei meist um Kultur in Frankfurt handelt, die von FrankfurterInnen selbst gemacht wird. Es stiftet Identifikation der BürgerInnen mit ihrer Stadt, wenn sie ihre Kultur selber machen. Und mit ihren Beiträgen bestimmen sie auch die touristische Außenwirkung der Stadt mit.

Wir wollen unsere Energie dafür einsetzen, dass die Kulturentwicklungsplanung nicht zu einer Kulturabwicklungsplanung verkommt, die den Blick auf innovativen Wandel verstellt.

Unsere Forderungen an die Stadtverwaltung und die Politik:

WIR FORDERN TRANSPARENZ UND AKTIVE KOMMUNIKATION

  • Wir fordern, dass alle Antragsteller zu den für sie relevanten Sitzungen des Kulturausschusses eingeladen werden.
  • Wir fordern die Möglichkeit einer Vorstellung der beantragten Projekte durch die Antragsteller im Kulturausschuss. Dadurch können Verständnisfragen geklärt und Missverständnisse ausgeräumt werden.
  • Alle Entscheidungen des Kulturausschusses über die Projektanträge sollen schriftlich begründet werden.

WIR FORDERN FINANZIELLE PLANUNGSSICHERHEIT

  • Die Freie Szene erfüllt einen Bildungsauftrag für die Stadt Frankfurt (Oder). Wir brauchen eine solche politische Definition, um ihre Wichtigkeit für die lebendige Kulturszene zu unterstreichen und um sie vor dem ständigen Versuch, ihr die Mittel wegzustreichen, zu bewahren.
  • Wir verlangen eine Aufstockung der für die Freie Szene vorgesehenen Mittel. Die Freie Szene akquiriert dank einer städtischen Kofinanzierung meist mindestens das Doppelte an anderweitigen Mitteln hinzu, vermehrt also dadurch die eingesetzten städtischen Mittel.
  • Wir benötigen einen Fonds, der im Falle einer Förderzusage von Projekten z.B. durch die Euroregion Viadrina die Vorfinanzierung dieser Projekte absichert. Manche kleinen Vereine warten ein Jahr und länger auf eine Erstattung der verauslagten Mittel, abgesehen davon, dass sie selten die finanziellen Spielräume haben, um ihre Projekte vorzufinanzieren.
  • Nachdem Förderanträgen auf dem Kulturausschuss zugestimmt wurde, müssen die Fördergeldzusagen innerhalb von vier Wochen bei den Antragstellern eingehen. So wird Planungssicherheit für die Antragsteller geschaffen und die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Drittmittelakquise erhöht.
  • Eine Kürzung der beantragten Fördersumme soll nur nach vorheriger Abstimmung mit dem Antragsteller erfolgen.
  • Die Lücke zwischen einmaliger Projektförderung und dauerhafter institutioneller Förderung muss geschlossen werden. Das betrifft vor allem jährlich stattfindende Projekte die Festivals “transVOCALE”, “lAbiRynT”, “unithea” und “Folk im Fluss” und „jazzFFest@oder„. Dafür soll ein angemessener Etat eingerichtet werden, der mehrjährige Förderzusagen erlaubt.

WIR FORDERN BERATUNG, WEITERBILDUNG UND KOMMUNIKATION

  • Im Fachbereich Kultur soll den bürgergesellschaftlichen Akteuren ein koordinierender Ansprechpartner (Lotse) für die fachliche Unterstützung und Hilfestellung bei Antrags- und Genehmigungsverfahren, sowie für alternative Finanzierungsmodelle zur Seite gestellt werden. Das fördert eine aktive Bürgergesellschaft im Bereich Kultur, denn so werden auch neue und junge Kulturakteure dabei unterstützt, selbst gemachte Kultur zu wagen.
  • Als Mittel der »Hilfe zur Selbsthilfe« soll die Weiterbildung der Akteure im Bereich Antragstellung und Drittmittelakquise stärker gefördert werden. Das soll durch die Förderung von Weiterbildungsveranstaltungen für die verschiedenen Akteure der Freien Szene erfolgen.
  • Wir fordern eine Wiederbelebung des “Runden Tischs” der Freien Szene mit Mitarbeitern der Stadt, wie er zu Zeiten der Betreuung durch das Kulturbüro regelmäßig stattgefunden hat. Diesen finden wir sehr wichtig für eine fruchtbare Kommunikation mit den städtischen Verantwortlichen.

Unterzeichner:
Wolfgang Flieder, Thorsten Gesser, Stefan Große Boymann, Brigitte Kabel, Michael Kurzwelly, Judith Lenz, Richard Rath, Gunhild Strauch, Christian Seibert, Thomas Strauch, Claudia Tröger, Carmen Winter, Claudia Wołoszyn

Art an der Grenze, JazzFF e.V., Kleines Kino e.V., Kunstgriff e.V., Die Oderhähne, Radio Słubfurt, Slubfurt e.V., Studierendenmeile e.V., Theater des Lachens, Transvocale e.V., Verbündungshaus Ffost e.V., ZeitBankCzasu

Frankfurt (Oder), 02.03.2015

Kurze Statements beteiligter Kulturschaffender:

Wir brauchen eine starke Vernetzung der vielfältigen Akteure der Freien Szene. Sie sind das Herz unserer Stadt. Hier wird Kultur nicht nur konsumiert, sondern von uns selbst erschaffen. Diese Vielfalt können wir nur gemeinsam öffentlich kommunizieren.
Michael Kurzwelly, Slubfurt e.V.

Ich engagiere mich für eine wirkliche KulturENTwicklungsplanung, weil mir die Kultur dieser Stadt am Herzen liegt und weil Projekte unseres Vereins durch Haushaltsvorbehalte und Kürzungen direkt bedroht sind.
Gunhild Strauch, KUNSTGRIFF. e.V.